Kurzüberblick
Zu fast jedem Plug-in-Hybrid gehört ab Werk ein Ladekabel. Ob dieses Kabel zu Ihrem Alltag passt, ist damit noch lange nicht gesagt. Viele Fahrerinnen und Fahrer merken erst nach einigen Wochen, dass das Laden länger dauert als gedacht, dass das Kabel zu kurz ist oder dass es an der Ladesäule im Nachbarort gar nicht passt.
Dieser Beitrag beantwortet in Ruhe die folgenden Fragen:
- Warum reicht das mitgelieferte Kabel häufig nicht aus?
- Was bedeutet Typ 2 und warum ist er heute der Standard?
- Einphasig oder dreiphasig, 16 oder 32 Ampere: was passt zu meinem Auto?
- Welche Kabellänge ist sinnvoll?
- Woran erkenne ich ein hochwertiges Ladekabel?
- Wann lohnt sich zusätzlich ein mobiles Ladegerät?
Ein paar Worte vorweg
Ich fahre seit über sechzig Jahren Auto. In dieser Zeit hat sich vieles verändert, doch kaum etwas so gründlich wie die Frage, wie man das Fahrzeug eigentlich betankt. Früher gab es Benzin und Diesel, und der Zapfhahn passte überall. Heute steht man vor einer Ladesäule und soll wissen, wie viele Phasen der eigene Wagen verträgt. Ich gebe zu: Bei meinem ersten Plug-in-Hybrid habe ich einige Wochen gebraucht, bis ich das verstanden hatte. Genau deshalb schreibe ich diesen Beitrag so, wie ich ihn selbst damals gern gelesen hätte, nämlich langsam, ohne Fachchinesisch und mit den Punkten, die im Alltag wirklich zählen.
Warum das mitgelieferte Kabel selten die ganze Geschichte erzählt
Was dem Fahrzeug beiliegt, ist meist ein sogenanntes Notladekabel für die gewöhnliche Haushaltssteckdose. Es ist als Reserve gedacht, nicht als tägliche Lösung. Die Ladeleistung liegt oft bei etwa 2,3 Kilowatt, und der Stecker passt an keine öffentliche Ladesäule. Wer den Wagen also an der Säule vor dem Supermarkt, am Parkplatz der Kirche oder an der eigenen Wallbox laden möchte, braucht ein zweites Kabel.
Das ist keine Nachlässigkeit der Hersteller, sondern schlicht eine Frage der Ausstattung. Ein vollwertiges Ladekabel kostet Geld, und nicht jeder Käufer benötigt dasselbe. Für Sie bedeutet es allerdings, dass Sie die Wahl selbst treffen müssen.
Typ 2 ist heute der Standard
Nahezu alle Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeuge, die seit etwa 2015 in Europa gebaut wurden, verwenden den Steckertyp 2. Er ist in der internationalen Norm IEC 62196 festgelegt, das Ladeverfahren selbst in der Norm IEC 61851, dort als Modus 3 bezeichnet. Diese beiden Bezeichnungen begegnen Ihnen in Produktbeschreibungen immer wieder, und sie bedeuten schlicht: Das Kabel ist für das geregelte Laden an einer Ladestation gemacht, bei dem sich Fahrzeug und Säule vorher über die mögliche Stromstärke verständigen.
Der praktische Vorteil dieser Vereinheitlichung ist groß. Ein Typ-2-Kabel passt an nahezu jede öffentliche Ladesäule in Europa und an praktisch jede Wallbox. Ältere Fahrzeuge, vor allem asiatische Modelle bis etwa 2014, tragen fahrzeugseitig noch einen Typ-1-Anschluss. In diesem Fall benötigen Sie ein Kabel, das auf der einen Seite Typ 2 und auf der anderen Seite Typ 1 hat. Ein Blick in die Bedienungsanleitung oder auf die Ladeklappe schafft hier schnell Klarheit.
Wer nicht recht weiß, welcher Anschluss im eigenen Wagen sitzt, findet bei spezialisierten europäischen Herstellern wie Voldt® eine Übersicht nach Fahrzeugmodell. Das erspart Ihnen das Rätselraten und ist in fünf Minuten erledigt.
Die Ladeleistung Ihres Fahrzeugs entscheidet
Nun kommt der Punkt, an dem die meisten Menschen ins Grübeln geraten. Die Ladeleistung wird nicht vom Kabel bestimmt, sondern vom Bordlader Ihres Fahrzeugs. Das Kabel muss diese Leistung nur sicher übertragen können. Ein stärkeres Kabel macht den Wagen also nicht schneller voll, ein zu schwaches Kabel bremst ihn aber aus.
Einphasig oder dreiphasig
Strom kommt bei uns über drei Phasen ins Haus. Manche Fahrzeuge nutzen nur eine davon, andere alle drei. Die meisten Plug-in-Hybride laden einphasig, weil ihre Batterie vergleichsweise klein ist und ohnehin in wenigen Stunden voll wird. Vollelektrische Autos laden häufiger dreiphasig. Ein dreiphasiges Kabel funktioniert auch an einem einphasig ladenden Fahrzeug, es bleibt dann nur ein Teil der Adern ungenutzt. Umgekehrt geht es nicht: Ein einphasiges Kabel begrenzt ein dreiphasiges Fahrzeug spürbar.
Was 16 und 32 Ampere bedeuten
Die Ampere-Angabe beschreibt, wie viel Strom pro Phase fließen darf. Sechzehn Ampere einphasig ergeben rund 3,7 Kilowatt, zweiunddreißig Ampere einphasig rund 7,4 Kilowatt. Dreiphasig sind es rund 11 beziehungsweise 22 Kilowatt. Wenn Sie die maximale Ladeleistung Ihres Fahrzeugs kennen, können Sie daraus das passende Kabel ableiten. Die folgende Übersicht hilft dabei.
|
Ladeleistung des Fahrzeugs |
Passendes Kabel |
Typisch für |
|---|---|---|
|
bis 3,7 kW |
einphasig, 16 A |
viele Plug-in-Hybride der ersten Generationen |
|
bis 7,4 kW |
einphasig, 32 A |
neuere Plug-in-Hybride mit stärkerem Bordlader |
|
bis 11 kW |
dreiphasig, 16 A |
vollelektrische Autos und einzelne moderne Hybride |
|
bis 22 kW |
dreiphasig, 32 A |
Fahrzeuge mit besonders leistungsfähigem Bordlader |
Im Zweifel ist ein Kabel mit etwas Reserve die vernünftigere Entscheidung. Es kostet ein wenig mehr, passt aber auch noch zum nächsten Fahrzeug, und das nächste Fahrzeug wird mit einiger Wahrscheinlichkeit ein reiner Stromer sein.
Ausführliche Modellvorstellungen und Erfahrungsberichte zu einzelnen Fahrzeugen finden Sie unter anderem bei derautoblog.de, wo Technik und Alltagstauglichkeit gleichermaßen betrachtet werden.
Die richtige Kabellänge
Diesen Punkt unterschätzt man leicht. Fünf Meter reichen zu Hause fast immer, wenn die Wallbox neben dem Stellplatz hängt. An öffentlichen Ladesäulen sieht es anders aus. Die Säule steht dann links vom Fahrzeug, die Ladeklappe befindet sich rechts hinten, und plötzlich fehlt ein Meter. Sieben Meter sind daher ein guter Kompromiss für den täglichen Gebrauch.
Länger sollte es nur werden, wenn Sie es wirklich brauchen. Ein Kabel von zehn Metern ist schwer, es lässt sich schlechter zusammenrollen, und im Kofferraum nimmt es spürbar Platz weg. Wer wie ich nicht mehr der Kräftigste ist, weiß solche Dinge zu schätzen. Eine Aufbewahrungstasche gehört meiner Meinung nach zur Grundausstattung, allein schon damit der Kofferraum sauber bleibt.
Woran Sie ein gutes Ladekabel erkennen
Ein Ladekabel hängt bei Wind und Wetter im Freien, wird mehrmals wöchentlich gesteckt und liegt dazwischen im Kofferraum. Es ist also Verschleißteil und Sicherheitsbauteil zugleich. Auf diese Punkte achte ich beim Kauf:
- Prüfzeichen: CE ist Pflicht, eine zusätzliche Prüfung durch eine unabhängige Stelle wie den TÜV ist ein gutes Zeichen.
- Leitermaterial: Vollkupfer mit versilberten Kontakten leitet besser und altert langsamer als billigere Mischungen.
- Flexibilität bei Kälte: Ein Kabel, das im Winter steif wie ein Gartenschlauch wird, ärgert Sie jeden Morgen aufs Neue.
- Wetterfestigkeit des Steckers: Regen und Streusalz sind die eigentlichen Gegner, nicht die Kilometer.
- Garantie und Rückgaberecht: Drei Jahre Garantie sagen mehr über das Vertrauen des Herstellers aus als jeder Werbetext.
Hersteller, die ihre Kabel in Europa selbst fertigen, geben diese Angaben in der Regel offen an, samt Ladeleistung, Phasenzahl und Länge. Das macht den Vergleich einfacher, als es auf den ersten Blick scheint. Was Sie dagegen meiden sollten, sind namenlose Angebote ohne klare Herstellerangabe. Bei einem Bauteil, durch das über Stunden mehrere Kilowatt fließen, ist das kein Bereich zum Sparen.
Wann sich zusätzlich ein mobiles Ladegerät lohnt
Neben dem klassischen Typ-2-Kabel gibt es mobile Ladegeräte. Das sind Kabel mit einer kleinen Steuereinheit, die den Ladevorgang selbst regeln. Damit können Sie an einer gewöhnlichen Haushaltssteckdose laden oder an einer roten beziehungsweise blauen Starkstromdose, wie sie auf vielen Campingplätzen, in Werkstätten und in älteren Garagen vorhanden ist.
Für Menschen ohne eigene Wallbox ist das oft die praktischste Lösung. Gute Geräte lassen sich in der Stromstärke einstellen, was bei alten Hausinstallationen wichtig ist, und bieten eine Zeitvorwahl, damit nachts zum günstigeren Tarif geladen wird. Wenn Sie über eine ältere Elektroinstallation verfügen, lassen Sie diese vor dem regelmäßigen Laden von einer Fachkraft ansehen. Eine Steckdose, die warm wird, ist immer ein Grund zur Vorsicht.
Was ich Ihnen mitgeben möchte
Die Wahl des richtigen Ladekabels ist keine Wissenschaft, aber sie verlangt einmal fünfzehn Minuten Aufmerksamkeit. Schauen Sie in der Bedienungsanleitung nach, welche Ladeleistung Ihr Fahrzeug aufnimmt und ob es einphasig oder dreiphasig lädt. Entscheiden Sie sich für ein Typ-2-Kabel, das dazu passt und lieber etwas Reserve bietet. Wählen Sie sieben Meter, wenn Sie auch unterwegs laden. Und achten Sie auf Verarbeitung, Prüfzeichen und Garantie.
Dann haben Sie ein Kabel, das Sie viele Jahre begleitet und über das Sie nie wieder nachdenken müssen. Genau so soll Technik im Alltag sein: verlässlich, unauffällig und immer dann zur Stelle, wenn man sie braucht.